Cannabis gegen Krebs: Was zeigt die Forschung wirklich?

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Stethoskop, Cannabisblüten und helles Symbolband als Bild zu Cannabis gegen Krebs von Herba di Berna Schweiz

Cannabis gegen Krebs klingt zunächst nach einer gewaltigen Behauptung. Gleichzeitig beschäftigt sich die Wissenschaft tatsächlich seit vielen Jahren mit THC, CBD und weiteren Cannabinoiden und der Frage, ob sie bestimmte Prozesse in Krebszellen beeinflussen können. Für mich ist dieses Thema allerdings nicht nur wissenschaftlich interessant. Es ist mir eine absolute Herzensangelegenheit, dieses Thema zu recherchieren und genau zu beleuchten. Ich möchte damit Krebspatienten und ihren Angehörigen, denn auch sie leiden enorm unter der Situation helfen. Helfen, indem wir die Fakten exakt auf den Tisch legen und gleichzeitig die Hoffnung nicht aufgeben, dass es vielleicht doch etwas gegen diese unsagbar schlimme Krankheit gibt.

Warum mich Cannabis und Krebs seit Jahren beschäftigen

Vor fünf Jahren habe ich meine Mutter an Krebs verloren. Sie wurde nur 61 Jahre alt. Da meine Mutter Ca 25 Jahre mit Krebs leben musste habe hautnah miterlebt, was diese Krankheit mit einem Menschen und seiner Familie machen kann. Untersuchungen, Chemotherapien, Immuntherapien, Nebenwirkungen, Hoffnung auf den nächsten Befund und dann nach ein paar Jahren alles wieder alles auf Anfang. Viele Angehörige kennen diese Situation leider nur zu gut und ich verstehe jeden zutiefst, der da draussen selbst betroffen ist oder einen Fall in der Familie hat.

Während der Behandlung ging es irgendwann nicht mehr nur darum, den Krebs zu bekämpfen. Es ging auch um ganz alltägliche Dinge: Kann sie etwas essen? Kann sie schlafen? Wie bekommt man diesen unangenehmen chemischen Geschmack nach der Chemotherapie aus dem Mund? Ich habe meiner Mutter bis zum Sterbebett immer wieder instinktiev einen Joint angeboten. Sie hat ihn bis zum Schluss abgelehnt. Damals wusste ich über die genauen wissenschaftlichen Erkenntnisse noch gar nicht Bescheid. Ich war mir aber sicher, dass der Joint ihr zumindest moralisch, emotional und vielleicht einfach durch ein bisschen gemeinsamen Humor helfen könnte. Es ging mir nicht um Heilung, sondern schlichtweg darum, ihre Lebensqualität in dieser schweren Zeit zu heben.

Das ist meine persönliche Erfahrung. Heute wissen wir, dass Cannabisarzneimittel in der Schweiz tatsächlich unter anderem bei Übelkeit und Appetitverlust im Zusammenhang mit einer Chemotherapie sowie bei bestimmten chronischen Schmerzzuständen eingesetzt werden.

Ein SRF-Beitrag, neue Studien und ein besonderes Buch Cannabis gegen Krebs

Dass dieses Thema wieder so präsent in meinem Kopf ist, liegt an verschiedenen Dingen. Zum einen bin ich kürzlich auf einen TV-Beitrag beim SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) gestossen, die das Thema medizinisches Cannabis und Krebstherapie wieder aufgriffen. Zum anderen gibt es laufend neue, hochspannende Studienauswertungen.

Aber vor allem liegt es an einem Buch, das wir selbst bei uns im Sortiment führen. 2017 veröffentlichte der Arzt und Cannabisforscher Franjo Grotenhermen beim Schweizer Nachtschatten Verlag das Fachbuch «Cannabis gegen Krebs – Der Stand der Wissenschaft und praktische Folgerungen für die Therapie». Seit der Veröffentlichung sind fast zehn Jahre vergangen. Was ist aus diesen Forschungsansätzen geworden?

Stimmen aus der Onkologie: DKFZ, ZIO und klinische Praxis

Dass das Thema längst in der Schulmedizin angekommen ist, zeigen Publikationen renommierter Institutionen. Der Krebsinformationsdienst (DKFZ) betont zwar klar, dass es keine wissenschaftlichen Beweise gibt, dass Cannabinoide den Tumor bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung aufhalten. Gleichzeitig verweist ein Bericht des Georg Thieme Verlags darauf, dass allein zwischen 2015 und 2017 rund 3000 Krebspatienten mit Cannabis behandelt wurden, primär, weil es viele begleitende Symptome lindern kann.

Auch das Zentrum für Integrative Onkologie (ZIO) in der Schweiz bestätigt, dass Cannabinoide heute in vielen Bereichen der Medizin eingesetzt werden. Das geschieht gezielt begleitend während und nach der abgeschlossenen Krebstherapie, um die Lebensqualität der Betroffenen zu stützen.

Das Endocannabinoid-System: Wie Cannabis im Körper überhaupt wirkt

Um zu verstehen, warum die Wissenschaft Cannabis im Zusammenhang mit Krebs erforscht, muss man einen Blick auf die Biologie werfen. Jeder Mensch besitzt ein sogenanntes Endocannabinoid-System (ECS). Dieses komplexe Netzwerk aus Rezeptoren (vor allem CB1 und CB2) ist im gesamten Körper verteilt, im Gehirn, im Nervensystem, in Organen und auch im Immunsystem. Das ECS reguliert grundlegende Funktionen wie Schmerzempfinden, Schlaf, Appetit und Immunreaktionen. Da die Wirkstoffe der Cannabispflanze (Phytocannabinoide) unseren körpereigenen Botenstoffen extrem ähnlich sind, können sie an diese Rezeptoren andocken. Genau dieser Mechanismus erklärt, warum Cannabis Symptome wie Übelkeit oder Schmerzen lindern kann und warum Forschende untersuchen, ob diese Rezeptoren auch bei der Zellteilung von Tumoren eine Rolle spielen.

CBG und seltene Cannabinoide: Fokus auf Entzündungen und Tumor-Mikromilieu

Anatomiemodell im medizinischen Umfeld als Symbolbild für Cannabis und Krebsforschung von Herba di Berna

In der modernen Krebsforschung rücken neben THC und CBD zunehmend weniger bekannte Cannabinoide in den Fokus, allen voran CBG (Cannabigerol), die sogenannte «Mutter der Cannabinoide», sowie CBC (Cannabichromen). Chronische Entzündungen sind oft der Nährboden für die Entstehung und das Fortschreiten von Krebs. Das Zusammenspiel zwischen Entzündungszellen und Tumorzellen wird in der Onkologie als Tumor-Mikromilieu bezeichnet.

Präklinische Studien zeigen hier bemerkenswerte Effekte:

  • Entzündungshemmung: CBG interagiert gezielt mit Entzündungsmarkern und Rezeptoren wie TRPM8. In Tiermodellen konnte CBG entzündliche Prozesse signifikant herunterregulieren.
  • Tumor-Mikromilieu: Ein Forschungsbericht von DSM-Firmenich sowie Laborstudien deuten darauf hin, dass Cannabinoide nicht nur isoliert auf Krebszellen wirken, sondern auch deren entzündliche Mikroumgebung verändern können, was den Zellen das Überleben erschwert.
  • Wachstumsstopp in Zellmodellen: Speziell bei Darmkrebs- und Magenkrebszelllinien zeigte CBG in präklinischen Tests die Fähigkeit, das unkontrollierte Wachstum der Zellen direkt zu hemmen.

Wie Cannabinoide Krebszellen im Labor attackieren: Die 3 Mechanismen

In präklinischen Untersuchungen, also Experimenten mit Krebszellen oder Tiermodellen, beobachten Forschende vor allem drei biologische Prozesse:

  • 1. Apoptose (Programmierter Zelltod): Krebszellen teilen sich unaufhörlich und ignorieren das körpereigene Signal zum Absterben. Cannabinoide können in Laborversuchen eine zelluläre Stressreaktion auslösen, die zur Anreicherung des Signalmoleküls Ceramid führt. Dieses Molekül zwingt die Krebszelle, sich selbst aufzulösen, während gesunde Zellen in den Versuchen weitgehend unberührt blieben.
  • 2. Anti-Angiogenese (Aushungern des Tumors): Damit ein Tumor wachsen kann, benötigt er Blutgefässe für Sauerstoff und Nährstoffe. Laborstudien zeigen, dass Cannabinoide die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren wie VEGF blockieren können, wodurch die Bildung neuer Versorgungsgefässe gehemmt wird.
  • 3. Hemmung der Metastasierung: Damit Krebs streut, müssen Zellen wandern. In Zellmodellen konnte nachgewiesen werden, dass CBD Gene (wie Id-1) herabreguliert, die massgeblich für die Zellwanderung und Metastasenbildung verantwortlich sind.

Eine 2026 veröffentlichte systematische Metaanalyse wertete 189 präklinische Studien aus und bestätigte diese antitumoralen Effekte über verschiedene Krebsarten hinweg.

Warum eine Petrischale noch keine Krebstherapie ist

Hier liegt der entscheidende Punkt: Wenn Hanfextrakte unter Laborbedingungen das Wachstum von Krebszellen hemmen, zeigt das einen biologischen Mechanismus. Der menschliche Körper ist jedoch wesentlich komplexer. Ein Wirkstoff muss in exakter Konzentration am Tumor ankommen, ohne vorher von der Leber abgebaut zu werden oder schwere Wechselwirkungen einzugehen. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) veröffentlichte 2024 erstmals eine umfassende Leitlinie zu Cannabis bei Krebs. Die Empfehlung ist deutlich: Cannabis und Cannabinoide sollten derzeit nicht anstelle einer Krebstherapie eingesetzt werden.

Wichtig für Betroffene: Mögliche Wechselwirkungen beachten

Wenn es um ehrliche Fachexpertise geht, dürfen wir auch mögliche Risiken nicht verschweigen. In der modernen Onkologie werden zunehmend Immuntherapien eingesetzt. Erste Daten weisen darauf hin, dass hochdosiertes Cannabis das Immunsystem dämpfen und so die Wirksamkeit dieser speziellen Therapien abschwächen könnte. Zudem können Cannabinoide wie CBD in der Leber bestimmte Enzyme (Cytochrom-P450) blockieren, die auch für den Abbau vieler Chemotherapeutika zuständig sind. Werden diese Medikamente nicht schnell genug abgebaut, können sie sich im Blut anstauen. Wer während einer Krebstherapie Cannabis nutzen möchte, sollte dies daher immer offen mit dem behandelnden onkologischen Team besprechen.

Besonders spannend: Cannabis bei Krebs und Glioblastome

Eines der interessantesten klinischen Forschungsgebiete betrifft aggressive Hirntumoren (Glioblastome). 2021 untersuchte eine kleine Phase-1b-Studie Nabiximols (ein Arzneimittel mit THC und CBD) zusätzlich zum Standard-Krebsmedikament Temozolomid. Beim Überleben nach einem Jahr zeigte sich ein auffälliger Unterschied: 83 Prozent in der Cannabis-Gruppe gegenüber 44 Prozent in der Placebogruppe.

ARISTOCRAT: Die nächste Stufe der Forschung

Das klingt spektakulär, doch die Gruppe war mit 21 Probanden zu klein, um einen gesicherten Überlebensvorteil zu belegen. Genau das wird jetzt in der britischen ARISTOCRAT-Studie überprüft. Diese rekrutiert noch bis September 2026 Patienten mit wiederkehrendem Glioblastom und untersucht gezielt das Gesamtüberleben.

Cannabis bei Krebs: Behandlung des Tumors oder der Beschwerden?

Diese Fragen werden im Internet häufig vermischt.

Frage 1: Kann Cannabis den Krebs selbst heilen?

Es gibt faszinierende Laborforschung zu CBG, CBD und THC, aber noch keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis für eine eigenständige Heiltherapie beim Menschen.

Frage 2: Können Cannabisarzneimittel Beschwerden lindern?

Hier ist Cannabis längst in der Schulmedizin angekommen. Das BAG nennt Cannabisarzneimittel in der Praxis bei chronischen Schmerzen sowie Übelkeit und Appetitverlust während einer Chemotherapie. Damit schliesst sich für mich ein Kreis: Als ich meiner Mutter Cannabis anbot, ging es genau um diese Linderung.

Laborbild zur Cannabisforschung bei Krebs mit wissenschaftlichem Hintergrund

Hochwertige Hanfprodukte für Wohlbefinden und Lebensqualität

Gerade weil wir bei Herba di Berna ein Schweizer CBD Online Shop wie auch einen CBD Laden in Bern betreiben und ein breites Sortiment anbieten, liegt uns Transparenz am Herzen. Die in klinischen Studien untersuchten Cannabisarzneimittel besitzen streng kontrollierte Wirkstoffmengen und werden engmaschig ärztlich überwacht, um gezielt Krankheiten zu behandeln.

Unser Sortiment richtet sich an Menschen, die ihr allgemeines Wohlbefinden im Alltag auf natürliche Weise unterstützen möchten. Egal ob Kunden bei uns reguläres CBD Öl erwerben, klassische und schonend getrocknete CBD Blüten für einen entspannten Feierabend bevorzugen, pflegende Hanfkosmetik nutzen oder praktisches Hanf-Zubehör einkaufen, der Fokus liegt stets auf der persönlichen Balance und Entspannung.

Fazit: Cannabis gegen Krebs ,weder Wunderheilung noch erledigte Forschung

Neun Jahre nach dem Erscheinen von «Cannabis gegen Krebs» wissen wir dank CBG-Forschung, Metaanalysen und Studien wie ARISTOCRAT mehr über die zellulären Mechanismen. Trotzdem gibt es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis für Cannabis als eigenständige Krebstherapie. Ich werde die Forschung weiter aufmerksam verfolgen. Denn ich weiss, wie gross die Hoffnung sein kann. Genau deshalb verdient dieses Thema beides: Offenheit für neue wissenschaftliche Ansätze und absolute Ehrlichkeit über das, was wir heute wissen.

Häufige Fragen zu Cannabis und Krebs (FAQ)

Welche Rolle spielt CBG bei Entzündungen und Krebs?

Cannabigerol (CBG) zeigt in präklinischen Studien starke entzündungshemmende Eigenschaften und kann das Tumor-Mikromilieu positiv beeinflussen. In Zellmodellen zu Darm- und Magenkrebs hemmte CBG das Wachstum von Krebszellen und förderte deren Zelltod.

Welche Symptome der Chemotherapie lindert medizinisches Cannabis?

Die stärkste klinische Evidenz besteht bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen. Zudem wird medizinisches Cannabis von Ärzten zur Appetitsteigerung und zur Behandlung chronischer Tumorschmerzen eingesetzt.

Was bedeutet Apoptose im Zusammenhang mit Cannabinoiden?

Apoptose ist das natürliche Selbstmordprogramm geschädigter Zellen, welches bei Krebszellen oft blockiert ist. Cannabinoide können in Laborversuchen Botenstoffe aktivieren, die diesen programmierten Zelltod in Tumorzellen wieder anstossen.

Warum setzen Krebspatienten Cannabis medizinisch ein?

Die meisten Betroffenen nutzen medizinisches Cannabis zur Linderung schwerer Nebenwirkungen der konventionellen Krebstherapie. Es hilft primär dabei, die Lebensqualität zu steigern, wenn Standardmedikamente gegen Schmerzen oder Appetitverlust nicht ausreichen.

Quellenangaben zum Thema Cannabis gegen Krebs

Studie im British Journal of Cancer / NatureUniversity of Birmingham: ARISTOCRAT. Randomisierte Phase-II-Studie zu Temozolomid mit oder ohne Cannabinoide bei Patientinnen und Patienten mit rezidivierendem Glioblastom.

ARISTOCRAT-Studie – University of BirminghamDeutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Krebsinformationsdienst: Cannabis und Cannabinoide bei Krebs. Informationen zu Stellenwert, Evidenz, Nebenwirkungen und medizinischer Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden bei Krebserkrankungen.

Krebsgesellschaft NRW – Cannabis-TherapieZentrum für Integrative Onkologie (ZIO): Cannabis in der Krebstherapie. Fachinterview mit Dr. med. univ. Sandra Pittl über Cannabinoide in der integrativen Onkologie und Palliativmedizin sowie den aktuellen Forschungsstand.

Thieme – Cannabis bei Krebs: Mehr Chancen als Risiken?Grotenhermen F. (2017): Cannabis gegen Krebs. Der Stand der Wissenschaft und praktische Folgerungen für die Therapie. Nachtschatten Verlag, Solothurn, 160 Seiten, ISBN 978-3-03788-516-1.,

Nachtschatten Verlag – Cannabis gegen Krebs

ASCO-Leitlinie bei PubMedTwelves C et al. (2021): A phase 1b randomised, placebo-controlled trial of nabiximols cannabinoid oromucosal spray with temozolomide in patients with recurrent glioblastoma.British Journal of Cancer, 124, 1379–1387.

Krebsinformationsdienst – Cannabis und Cannabinoide bei KrebsBundesamt für Gesundheit (BAG): Medizinische Anwendung von Cannabis. Informationen zur medizinischen Verwendung von Cannabisarzneimitteln und zur rechtlichen Situation in der Schweiz.

BAG – Medizinische Anwendung von CannabisKrebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V.: Cannabis-Therapie. Fachinformationen zu Dronabinol, THC, CBD und Cannabisblüten im Zusammenhang mit Krebserkrankungen sowie zur vorhandenen Evidenz.

ZIO – Cannabis in der KrebstherapieGeorg Thieme Verlag: Cannabis bei Krebs: Mehr Chancen als Risiken? Fachbeitrag beziehungsweise Interview mit Dr. med. Franjo Grotenhermen über den Forschungsstand zu Cannabis und Cannabinoiden bei Krebserkrankungen.