Täglich grüsst das Murmeltier. Bei uns im Postfach und am Telefon passiert es täglich. Teils Verzweifelte Menschen rufen an: «Habt ihr etwas gegen meine Schmerzen?», «Mein Arzt verschreibt mir nichts» oder «Ich kann mir die Apotheke nicht leisten».
Als Berner Produzenten blutet uns dabei das Herz. Wir wissen, was unsere Pflanzen können. Wir wissen, wie sauber wir produzieren. Und doch müssen wir zusehen, wie Patienten im bürokratischen Dschungel der Schweiz verhungern.
Ein aktueller, aufwühlender Bericht von SRF Wissen bringt es jetzt auf den Punkt. Er zeigt am Schicksal von Dominic, dass die «Legalisierung» von Medizinal-Cannabis 2022 in der Praxis oft ein reiner Papiertiger ist.
Der Skandal: 1100 Franken für Cannabis-Blüten, die 450 kosten sollte

Der SRF-Bericht schildert den Fall des 29-jährigen Dominic der regelmässig Cannabis-Blüten benötigt. Er leidet unter unerträglichen Schmerzen (Level 9 von 10). Cannabis in Blütenform ist das Einzige, was ihm wirklich hilft und ihm ein menschenwürdiges Leben wieder ermöglicht und seinen Schmerz erträglicher macht. Seit 2022 ist es legal verschreibbar. Problem gelöst? Von wegen.
SRF rechnet vor:
- Auf dem Schwarzmarkt (unsicher, verunreinigt) kostet seine Dosis ca. 450 Franken.
- In der Apotheke (legal) kostet sie 1100 Franken.
Die Krankenkasse zahlt keinen Rappen. Die Begründung: «Mangelnde Evidenz».
Unsere Meinung dazu: Das ist bürokratischer Irrsinn. Wie kann es sein, dass ein legales Produkt, das in der Herstellung keine Unsummen kostet, in der Apotheke plötzlich zum Luxusgut wird? Irgendwo zwischen Produzenten und Patienten versickert Geld oder wird durch Ineffizienz verbrannt. Das Ergebnis: Dominic wird in die Illegalität getrieben.
Was wir täglich erleben (und warum es nervt)
Wir werden als Experten wahrgenommen. Kunden fragen uns nach Dosierungen, nach medizinischer Wirkung, nach Hilfe, eben alle Informationen die rund um diese wundervolle Pflanze aufkommt. Die absurde Gesetzeslage verbietet uns aber den Mund, als Beispiel können wir Zb. die Novel-Food Verordnung nennen. Laut Gesetz darf nur der Arzt oder Apotheker beraten. Wir als erfahrenes Fach-Perosnal müssen genau darauf achten was und wie wir es sagen.
Aber wie Franziska Quadri im SRF-Bericht richtig sagt: Viele Ärzte haben schlicht keine Ahnung, keine Zeit oder keine Lust über Cannabis zu berichten. Oft sind Sie immer noch mit Vorurteilen belastete und haben dadurch eine Innere Hemmschwelle, sich um das Wissen was Cannabis alles kann zu bereichern.
Wir als Produzenten, die die Pflanze in- und auswendig kennen, müssen schweigen. Und der Patient steht alleine da. Das ist kein Gesundheitsschutz, die Überregulierung nimmt billigend in Kauf, dass keine Hilfe geleistet wird.
Die Verbindung zur Vernehmlassung: Seht ihr das Muster?
Erinnert ihr euch an unseren letzten Blogbeitrag zur Vernehmlassung des CanPG? 👉 Lies hier unseren Artikel: Was wir als Produzenten denken
Genau das ist der Punkt, den wir dort kritisieren! Der Fall Dominic ist das perfekte Warnsignal für die kommende Legalisierung im Genussbereich: Wenn der Staat den legalen Markt durch Steuern, Abgaben und Bürokratie verteuert, gewinnt immer der Schwarzmarkt.
Wenn wir beim CanPG die gleichen Fehler machen wie beim Medizinal-Cannabis, haben wir grosse Bedenken für die Umsetzung. Wir brauchen einen Markt, der funktioniert – preislich und qualitativ. Dominic zeigt uns, was passiert, wenn man «gut gemeint» macht, aber «schlecht gemacht» liefert.

Wir sind bereit – das System (noch) nicht
Wir von Herba di Berna stehen in den Startlöchern. Wir produzieren «Swiss Made» Qualität. Wir könnten den Markt versorgen – nachhaltig, sauber und zu fairen Preisen. Aber solange die Hürden im Medizinal Bereich so hoch sind, konzentrieren wir uns auf das, was wir heute schon legal und ohne Rezept anbieten dürfen CBD-Öle die einen THC Anteil von unter 1% besitzen.
Viele unserer Kunden, die den Kampf mit den Krankenkassen leid sind, greifen daher zu unseren hochwertigen CBD-Produkten. Nein, CBD ist kein Ersatz für hochpotentes THC bei schwersten Schmerzen. Aber für viele ist es eine legale, bezahlbare und sofort verfügbare Ergänzung für das tägliche Wohlbefinden und zur Entspannung.
Wir kämpfen weiter dafür, dass alle Aspekte der Hanfpflanze endlich normalisiert werden. Bis dahin lassen wir euch nicht im Regen stehen.
Hier geht es zu unseren legalen, hochwertigen CBD Ölen

Fazit: Bern, wach auf!
Der SRF-Bericht ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom eines viel grösseren Problems. Dominic steht stellvertretend für Tausende Betroffene. Unsere Forderungen sind klar: weniger Bürokratie, faire Preise und endlich eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen, wenn die medizinische Notwendigkeit ausgewiesen ist.
Auch beim geplanten CanPG besteht weiterhin erhebliches Verbesserungspotenzial. Das aktuelle System ist weit entfernt von Praxistauglichkeit und entspricht weder dem Bedürfnis der Konsument*innen noch dem Willen vieler Ärztinnen und Ärzte.
Dabei muss man offen ansprechen:
Die Pharmaindustrie investiert massiv in Lobbyarbeit, damit Ärztinnen und Ärzte bestimmte Medikamente verschreiben oder anderen vorziehen. Eine vergleichbare Aufklärungs- und Informationsarbeit rund um Cannabis existiert hingegen kaum oder nur in sehr geringem Umfang. Und man kann es den verschreibenden Ärztinnen und Ärzten nicht einmal vorwerfen: Wenn die administrativen Hürden derart hoch sind, ist es nachvollziehbar, dass der zusätzliche Aufwand mit dem BAG möglichst vermieden wird. Genau diese strukturellen Hemmnisse verhindern jedoch, dass Patientinnen und Patienten die Therapie erhalten, die ihnen helfen könnte.
Quellen & weiterführende Links
Damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, haben wir hier die wichtigsten Quellen und weiterführende Informationen für euch zusammengestellt:
Herba di Berna Blog: Unsere Meinung zur Vernehmlassung (CanPG) Lest hier nach, warum wir auch bei der Genuss-Legalisierung skeptisch bleiben, wenn die Bürokratie überhandnimmt.
SRF Wissen Reportage: Cannabis in der Medizin: Zermürbender Kampf um Therapie (SRF.ch)Der Hauptartikel, auf den wir uns beziehen und der Dominics Geschichte erzählt.
Bundesamt für Gesundheit (BAG): Gesetzliche Regelung zu CannabisarzneimittelnDie offiziellen Informationen des Bundes zur Gesetzesänderung vom 1. August 2022.
Medcan – Patient:innen-Organisation: Informationen und Hilfe für Betroffene (Medcan.ch)
Die Anlaufstelle für Patienten, vertreten durch Franziska Quadri.
FAQ: Medizinisches Cannabis, Kosten & Hürden in der Schweiz
Zahlt die Krankenkasse medizinisches Cannabis in der Schweiz?
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung vergütet Cannabisarzneimittel nicht automatisch, sondern nur in Ausnahmefällen nach einer vorgängigen Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt. Da das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit oft noch als unzureichend einstuft, werden Gesuche häufig abgelehnt oder nur zögerlich bewilligt. (Quelle: Bundesamt für Gesundheit BAG, «Cannabisarzneimittel»)
Wer darf mir in der Schweiz Cannabis gegen Schmerzen verschreiben?
Seit der Gesetzesänderung im August 2022 darf grundsätzlich jeder Arzt und jede Ärztin in der Schweiz Cannabisarzneimittel verschreiben, ohne eine Sonderbewilligung beim BAG einholen zu müssen. In der Praxis tun dies jedoch oft nur spezialisierte Schmerzmediziner oder Neurologen, da vielen Hausärzten das spezifische Wissen zur Dosierung und Anwendung fehlt. (Quelle: Swissmedic / BAG, «Änderung Betäubungsmittelgesetz»)
Wie bekomme ich ein Rezept für medizinisches Cannabis?
Der Weg führt zwingend über ein persönliches Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt, bei dem Sie aufzeigen müssen, dass bisherige Standardtherapien keinen ausreichenden Erfolg brachten. Da die Hürden hoch sind, empfiehlt es sich, eine detaillierte Dokumentation der Krankheitsgeschichte mitzubringen oder sich an Ärzte zu wenden, die offen für Cannabinoid-Therapien sind. (Quelle: Medcan.ch, Patientenvereinigung)
Warum wirkt CBD nicht gleich wie medizinisches THC?
CBD (Cannabidiol) wirkt zwar entzündungshemmend und entspannend, besitzt aber keine berauschende Wirkung und bindet anders an die Rezeptoren im Körper als THC. Bei schwersten Schmerzen, wie im Fall von Dominic (SRF-Bericht), reicht die schmerzlindernde Potenz von reinem CBD oft nicht aus, weshalb THC-haltige Medikamente notwendig sind.
Warum ist Cannabis in der Apotheke so viel teurer als auf dem Schwarzmarkt?
Die hohen Preise entstehen durch strenge pharmazeutische Qualitätsstandards, aufwendige Importprozesse oder die individuelle Herstellung von Magistralrezepturen in der Apotheke. Während der Schwarzmarkt keine Sicherheitskontrollen kennt, fallen im legalen Markt Kosten für Analysen, standardisierte Anbaumethoden und Bürokratie an, was den Preis laut SRF oft mehr als verdoppelt.
Welche Krankheiten qualifizieren für eine Cannabis-Therapie?
Medizinisches Cannabis wird häufig bei chronischen Schmerzzuständen, Spastiken durch Multiple Sklerose oder bei starker Übelkeit während einer Chemotherapie eingesetzt. Es gibt keine abschliessende gesetzliche Liste von Krankheiten; die Verschreibung liegt im Ermessen des Arztes, sofern herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirken oder zu starke Nebenwirkungen haben.
Was sind die Risiken, wenn ich mein Cannabis illegal kaufe statt in der Apotheke?
Cannabis vom Schwarzmarkt unterliegt keinerlei Qualitätskontrollen und kann mit Pestiziden, Schwermetallen, Schimmelpilzen oder sogar synthetischen Cannabinoiden verunreinigt sein. Für kranke Menschen mit einem geschwächten Immunsystem stellt dies ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, weshalb medizinisch reine Produkte trotz des höheren Preises sicherer sind.
Was muss sich politisch ändern, damit Patienten besseren Zugang erhalten?
Patientenorganisationen und Branchenvertreter fordern primär, dass die Kostenübernahme durch die Krankenkassen vereinfacht und verbindlicher geregelt wird. Solange medizinisches Cannabis als teures Luxusgut behandelt wird und nicht als normale Arznei, bleiben Patienten auf den Kosten sitzen oder werden zurück in die Illegalität gedrängt.



