Der 1. Dezember 2025 markierte einen wichtigen Meilenstein: Die Vernehmlassung zum Cannabisproduktegesetz (CanPG) ist offiziell beendet. Die IG Hanf hat als Branchenverband eine detaillierte Stellungnahme eingereicht, die wir als Schweizer Cannabisproduzenten genau unter die Lupe genommen haben. Hier geht es zu IG Hanf Stellungnahme.
Für uns ist klar: Der Weg stimmt, aber die Details entscheiden über Sein oder Nichtsein unserer Branche. Wir fassen die wichtigsten Forderungen der IG Hanf zusammen und ergänzen sie mit unserer Sicht direkt aus der Anbauanlage.
1. Der Kampf gegen den Schwarzmarkt
Was die IG Hanf sagt:
Die Regulierung darf keine Alibi-Übung sein. Wenn der legale Zugang zu kompliziert oder die Produkte qualitativ eingeschränkt sind, bleibt der Schwarzmarkt dominant. Ein funktionierender legaler Markt ist der effektivste Jugendschutz.
Unsere Meinung als Schweizer Produzent:
Wir sehen täglich, was auf dem Markt passiert. Wir können die saubersten und sichersten THC Blüten produzieren – wenn Konsumentinnen und Konsumenten diese aber nur über Hürden erhalten, gehen sie weiterhin zum Dealer um die Ecke. Wir wollen nicht für das Lager produzieren, sondern echte, geprüfte Alternativen zum unkontrollierten Strassenverkauf anbieten. Nur ein attraktiver legaler Markt erlaubt es uns, unsere hohen Qualitätsstandards auch im Bereich THC wirtschaftlich umzusetzen.

2. Marktzugang: Bewilligung statt Konzession
Was die IG Hanf sagt:
Der Verband warnt vor einem Konzessionssystem, bei dem Lizenzen wie im Lotto vergeben oder künstlich verknappt werden. Gefordert wird ein Bewilligungsmodell: Wer die strengen gesetzlichen Auflagen erfüllt, soll produzieren dürfen.
Unsere Meinung als Schweizer Produzent:
Für uns ist Planungssicherheit das A und O. Wir investieren viel Kapital in Technik, Sicherheit und Personal. Ein Konzessionssystem wäre für uns ein unkalkulierbares Risiko. Wir brauchen die Gewissheit: Wenn wir uns an die Regeln halten und sauber arbeiten, dürfen wir auch am Markt teilnehmen. Ein freier Wettbewerb unter strengen Auflagen spornt uns an, die beste Qualität zu liefern – Monopole tun das nicht.
3. Realistische Grenzwerte: Die 30%-Regel

Was die IG Hanf sagt:
Basierend auf Daten aus den Pilotversuchen fordert die IG Hanf eine THC-Obergrenze für Blüten von 30 Prozent. Die Realität zeigt, dass tiefere Grenzen am Bedarf der Konsumenten vorbeigehen.
Unsere Meinung als Schweizer Produzent:
Cannabis ist ein Naturprodukt. Durch professionelle Zucht und optimale Bedingungen erreichen wir heute ganz natürlich höhere Wirkstoffgehalte, ohne künstliche Zusätze. Eine willkürlich tief angesetzte Grenze würde bedeuten, dass wir eine Top-Ernten vernichten müssten oder sie illegal wären, obwohl sie rein natürlich gewachsen sind. Die 30%-Grenze gibt uns den nötigen Spielraum, um die volle genetische Vielfalt der Pflanze legal abzubilden.
4. Vorrang für „Swiss Made“
Was die IG Hanf sagt:
Die Wertschöpfung soll in der Schweiz bleiben. Die IG Hanf setzt sich dafür ein, dass der Inlandproduktion Vorrang gewährt wird, um eine nachhaltige Industrie aufzubauen und Importe zu minimieren.
Unsere Meinung als Schweizer Produzent:
Wir stehen für Schweizer Qualität. Das bedeutet aber auch Schweizer Löhne, Schweizer Mietpreise und Schweizer Energiestandards. Wenn der Markt mit billigem Import-Cannabis aus Ländern mit deutlich tieferen Produktions- und Umweltstandards geflutet wird, haben wir als lokale Produzenten keine faire Chance. Wir sind bereit, den Bedarf der Schweiz zu decken – nachhaltig, verantwortungsbewusst und mit kurzen Transportwegen. Doch dafür braucht es ein Gesetz, das unsere lokale Landwirtschaft schützt und stärkt.
Die Realität auf dem CBD-Markt präsentiert sich derzeit jedoch anders, als wir es uns wünschen würden. Der Schweizer Markt wird zunehmend von italienischen und französischen Produkten überschwemmt – eine Entwicklung, die wir mit Sorge betrachten. Gleichzeitig müssen wir die klimatischen Bedingungen in der Schweiz realistisch einschätzen: Wir haben weder eine Côte d’Azur noch ein sardisches Klima. In feuchten Jahren kann – wie 2024 geschehen – eine gesamte Ernte unbrauchbar werden.
Doch was passiert dann? Wer liefert die Produkte, die die hiesigen Konsumentinnen und Konsumenten erwarten?
Genau hier wünschen wir uns einen pragmatischen Ansatz. Wann immer der Schweizer Markt genügend hochwertige Ware liefern kann, werden wir diese selbstverständlich bevorzugt beziehen. Doch wenn dies nicht der Fall ist, braucht es Lösungen, die auch über die Landesgrenzen hinausgehen dürfen. Das Jahr 2024 hat eindrücklich gezeigt, wie fragil die Versorgungslage wird, wenn die inländische Produktion wetterbedingt einbricht.
Deshalb ist es nun entscheidend, sorgfältig zu prüfen, ob der derzeit vorgeschlagene Weg wirklich der richtige ist – sowohl im Interesse der Produzenten als auch der Konsumentinnen und Konsumenten. Wir stehen vor der Aufgabe, Versorgungssicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Dafür braucht es flexible, realitätsnahe Regelungen, die den tatsächlichen Herausforderungen des Marktes gerecht werden.


Fazit: 2025 – Der Ball liegt in Bern (und es dauert noch)
Natürlich geht alles im gewohnten politischen „Schweizer Tempo“ weiter. Wir hoffen auf ein Gesetz mit Augenmass – eines, das uns Produzenten nicht fesselt, sondern uns ermöglicht, einen sicheren und hochwertigen Genussmittelmarkt aufzubauen.
Die Gesundheitskommission hat das Geschäft erneut verlängert. Das bedeutet: zwei weitere Jahre Beratungen bis 2027. Man wartet darauf, dass die ersten Pilotversuche abgeschlossen sind und den Politikerinnen und Politikern als Entscheidungsgrundlage dienen können.
Wir gehen zudem davon aus, dass die SVP voraussichtlich im Jahr 2028 ein Referendum ergreifen wird. Auch hier rechnen wir damit, dass genügend Stimmen gesammelt werden, um eine Volksabstimmung zu erzwingen.
Und trotzdem sind wir optimistisch.
Warum? Weil die Schweiz sich unserer Ansicht nach erneut – wie schon historisch beim Alkohol oder zuletzt beim Thema „Ehe für alle“ – mit Pragmatismus und Realitätssinn für eine zeitgemässe Lösung entscheiden wird.
Ein wichtiger Punkt: Die ältere Generation greift heute vermehrt auf Cannabisprodukte zurück, baut Vorurteile ab und erlebt selbst die Vorteile gegenüber Alkohol oder Medikamenten. Und genau diese Altersgruppe stellt auch die stärkste Wählerbasis dar.
Deshalb schauen wir zuversichtlich in die Zukunft: geduldig, konstruktiv und überzeugt davon, dass die Schweiz bereit ist für eine regulierte, verantwortungsvolle Cannabis-Politik.



