Cannabis Regulierung Schweiz: Besser als Deutschland heisst nicht „Nichtstun“

Veröffentlicht am

Die Diskussion um die Cannabis Regulierung Schweiz tritt in eine entscheidende Phase. Mit dem Vorentwurf des Bundesgesetzes über Cannabisprodukte (CanPG) liegt endlich ein Plan auf dem Tisch, der den Schwarzmarkt austrocknen und den Jugendschutz effektiv stärken könnte. Doch aktuelle Signale aus den Kantonen Bern und Aargau lassen Zweifel aufkommen: Nutzen wir die historische Chance, oder verfallen wir in das alte Schweizer Muster des ewigen Aufschiebens? Warum wir bei der Cannabis Regulierung Schweiz die Nase vorn haben könnten – wenn wir jetzt mutig vorwärtsmachen statt zu bremsen – erfährst du hier.

Der Paradigmenwechsel: Schluss mit der Verzögerung

Jahrelang hat die Schweizer Politik das Thema weggeschoben. Das Resultat: Der Schwarzmarkt blühte, und die Kontrolle über die Qualität ging verloren. Der neue Entwurf (CanPG) markiert endlich den notwendigen Kurswechsel. Es geht nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Ziel ist ein transparenter Markt, der Konsumenten schützt. Doch dieser Schutz duldet keinen Aufschub mehr. Wer jetzt noch bremst, spielt dem unkontrollierten illegalen Markt in die Hände.

Die drei Säulen: Nur in einem aktiven Markt möglich

Damit die Regulierung funktioniert, muss das Gesetz laut IG Hanf drei Ziele erreichen:

  1. Jugend- und Gesundheitsschutz: Durch strikte Prävention.
  2. Bekämpfung des Schwarzmarktes: Durch hohe, aber realistische Qualitätsstandards.
  3. Ein funktionierender legaler Markt: Mit fairen Bedingungen für Schweizer Produzenten.

Aber: Diese Ziele erreichen wir nicht mit Warten. Ein Schwarzmarkt kümmert sich nicht um Jugendschutz. Nur ein jetzt eingeführter, regulierter Markt kann diese Aufgaben übernehmen.

Lernen aus Deutschland: Besser machen, nicht warten

Die Schweiz kann es besser machen als Deutschland“, betont Elias Galantay, Präsident der IG Hanf. Aber Vorsicht: Das Chaos in Deutschland darf keine Ausrede für einen Schweizer Stillstand sein.

Wir hören oft das Argument, man müsse erst alle Pilotversuche abwarten, bevor man handelt. Das sehen wir als vorgeschobenes Argument. Natürlich müssen wir Fehler vermeiden und genau hinschauen. Aber Gesetzgebung und Forschung können Hand in Hand gehen. Die Pilotstudien laufen, Daten werden täglich gesammelt und ausgewertet. Wir wissen bereits genug, um ein praxistaugliches Modell zu bauen. Auf die „perfekte Studie“ zu warten, während der Schwarzmarkt Fakten schafft, ist keine Strategie, sondern Hinhaltetaktik.

Realitätscheck: Das falsche Signal aus Bern und Aargau Dezember 2025

Dass diese Verzögerungstaktik real ist, zeigte sich Anfang Dezember 2025. Die Kantone Bern und Aargau haben sich gegen die aktuelle Vorlage ausgesprochen. Ihre Begründung: Man wolle erst die finalen Ergebnisse des Pilotprojekts abwarten.

Politisches Kalkül statt pragmatischer Lösungen? Das aktuelle Zögern in den Kantonen Bern und Aargau wirkt auf uns weniger wie eine rein abwartende Haltung, sondern vielmehr wie politisches Kalkül. Denn auch auf nationaler Ebene formiert sich der Widerstand. Ein Blick in die offizielle Stellungnahme der SVP Schweiz zum CanPG zeigt, woher der Wind weht: Die Partei lehnt die Vorlage als «falsches Signal» ab. In ihrem Positionspapier wird davor gewarnt, dass der Konsum die «Erwerbsfähigkeit» gefährde und zu einer «verstärkten Abhängigkeit von der öffentlichen Hand» führen könne. Zudem wird bezweifelt, dass der illegale Markt durch eine Legalisierung verschwindet, da Schweizer Cannabis preislich nicht konkurrenzfähig sei. Diese fundamentale Ablehnung lässt darauf schliessen, dass das Referendum eine realistische Option bleibt. Das Warten auf weitere Studienergebnisse spielt somit jenen in die Karten, die das Projekt am liebsten ganz stoppen würden.

Das ständige Warten auf den finalen Abschluss aller Studien wirkt in unseren Augen wie eine reine Hinhaltetaktik. Die bisherigen Zwischenergebnisse der Pilotprojekte sind durchwegs positiv. Realistisch betrachtet werden sich diese Daten kaum mehr gross ändern. Jetzt noch Jahre verstreichen zu lassen, ignoriert die positiven Fakten und dient nur dazu, die längst überfällige Regulierung hinauszuzögern.

Warum der Preis (und das Tempo) entscheidend ist

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Preisgestaltung. Die IG Hanf warnt davor, den legalen Markt durch zu hohe Lenkungsabgaben zu schwächen. Die Logik ist simpel: Sind die legalen Produkte zu teuer oder kommt das Gesetz viel zu spät, bleiben die Leute auf dem Schwarzmarkt. Damit der legale Markt funktioniert, muss er konkurrenzfähig sein – und er muss zeitnah kommen.

Fazit: Mut zur Lücke statt ewiger Warteschleife

Die Schweiz hat die Chance, das beste und sicherste Cannabis-Modell Europas zu schaffen. Die Stärkung der inländischen Produktion („Swiss Made“) sorgt für Qualität und Nachhaltigkeit. Aber „Besser als Deutschland“ darf nicht heissen „Später als alle anderen“. Wir fordern Bern auf, die wissenschaftlichen Daten laufend zu nutzen und den Prozess nicht künstlich zu blockieren.

Quellenverzeichnis

IG Hanf Schweiz – Positionspapiere (Die drei Säulen) Positionspapier zum Gesetz über Cannabisprodukte (IG Hanf)

Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Gesetzgebung (CanPG) Neues Cannabisproduktegesetz – Übersicht und Stand

Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Forschung Übersicht der laufenden Pilotversuche mit Cannabis

Kanton Bern – Politische Stellungnahme Vernehmlassungsantwort des Regierungsrates Bern (Medienmitteilung)

20min Referendum-Cannabis-Abstimmung

FAQ zur Cannabis Regulierung Schweiz

Worum geht es beim neuen Bundesgesetz über Cannabisprodukte (CanPG)?

Das Gesetz regelt den kontrollierten Zugang zu Cannabis in der Schweiz, um den Schwarzmarkt einzudämmen und den Konsumentenschutz zu verbessern. Es schafft einen legalen Rahmen für Produktion, Handel und Konsum unter strikten Auflagen.

Was sind die Hauptziele der neuen Regulierung?

Die drei Hauptziele sind ein effektiverer Jugend- und Gesundheitsschutz, die wirksame Zurückdrängung des Schwarzmarktes und die Schaffung eines funktionierenden, legalen Marktes. Diese Ziele sollen durch klare Regeln und Qualitätsstandards erreicht werden.

Warum ist die Schweizer Produktion wichtig für das Gesetz?

Eine starke inländische Produktion garantiert hohe Qualitätsstandards, bessere Rückverfolgbarkeit und mehr Nachhaltigkeit. Die IG Hanf fordert daher eine explizite Stärkung der Schweizer Produzenten im Gesetz.

Wer ist die IG Hanf?

Die IG Hanf ist der Branchenverband der Schweizer Cannabisindustrie. Sie vertritt die Interessen der Branche und setzt sich für eine sinnvolle, wissenschaftsbasierte Regulierung und Förderung des Hanfsektors in der Schweiz ein.

Warum sieht die IG Hanf die Schweiz im Vorteil gegenüber Deutschland?

Die Schweiz kann aus den Regulierungsfehlern in Deutschland lernen und diese vermeiden. Zudem kann sie auf wissenschaftliche Daten aus den eigenen Pilotversuchen zurückgreifen, um ein praxisnäheres Modell zu entwickeln.

Wie soll der Schwarzmarkt konkret bekämpft werden?

Der Schwarzmarkt soll durch einen konkurrenzfähigen legalen Markt verdrängt werden, der sichere Produkte anbietet. Wichtig sind hierbei realitätsnahe Rahmenbedingungen, damit der legale Weg für Konsumenten attraktiver ist als der illegale.

Welche Rolle spielt der Preis der legalen Produkte?

Der Preis ist entscheidend, da überhöhte Kosten durch Lenkungsabgaben den legalen Markt schwächen würden. Wenn legale Produkte deutlich teurer sind als illegale, bleibt der Schwarzmarkt weiterhin attraktiv.

Was fordert die IG Hanf bezüglich der THC-Grenzwerte?

Die Grenzwerte für THC und die Einteilung in Risikoklassen sollen praxisnah und evidenzbasiert ausgestaltet sein. Unrealistische Grenzen würden an den realen Konsummustern vorbeigehen und die Regulierung ineffektiv machen.